„Sie ist etwas Besonderes!“
„Ich bitte dich Atlacom. Sie ist ein Mensch!! Sie ist sein
Geschöpf!!
„Sonaja ich kann dich verstehen. Deine Kinder mussten am
meisten unter ihm leiden.“
„Sie kennt und glaubt an uns. Sie verachtet ihren Schöpfer!
Das musst du auch berücksichtigen.“
Sonaja legte die Stirn in Falten. Es möchte ja sein, dass
diese junge Menschenfrau etwas Besonderes war, aber wenn sie für sie eine
Ausnahme machten, mussten sie das dann nicht auch für andere? Dann könnte
wieder alles ins Chaos versinken. Wie viele damals nur wegen seiner Habgier und
seinen Kindern gelitten haben und ums Leben gekommen sind. Sie konnte ihre
Geschwister aber verstehen. Wenn sie wirklich diese Person war, auf die sie
alle gewartet hatten, dann könnte es wieder ein Gleichgewicht geben. Nur wenn
nicht. Sie wollte es sich gar nicht ausmalen. Ihr stiegen jetzt schon wieder
die Bilder voller Angst, Blut, Zerstörung und Tod vor Augen. Warum musste sie
ausgerechnet an ihrem Wegpunkt stehen? Warum?
„Ja, was habt ihr gerade gesagt?“ So in ihre Gedanken
verstickt, hatte sie nicht bemerkt, dass ihre die anderen weiter diskutiert
hatten. Sie ließ ihren Blick einmal
durch die Halle wandern, um wieder ganz bei der Sache zu sein. Bis auf sie
selbst saß keiner mehr auf seinem Platz. Sie waren alle aufgewühlt. Auch die
sonst beruhigenden Muster an den Säulen und Wänden, konnten ihr heute nicht
helfen. „Also gut! Ich möchte jetzt eure Meinung wissen. Danach entscheide ich
mich!“
„Du willst sie da noch länger umher irren lassen? Was wenn
sie sie kriegen? Du weißt was sie dann erleiden muss!!!“
„Tirawenn beruhige dich. Egal wie ich mich entscheide ich
werde nicht zulassen, dass ihr etwas geschieht. Nun ich höre?“
„Ich sehe als Chance. Wäre es mein Wegpunkt, wäre sie schon
längst hier!“
Auch die anderen vier, Atlacom, Karesh, Frésalie und Orteck,
waren dafür. Jetzt lag es allein an ihr. Sonaja verließ die große weiß-silberne
Halle über die große Treppe in die Wohngemächer. Die Gemälde mit Ausschnitten
aus der Geschichte beachtete sie gar nicht, sondern ging schnurstracks zu ihren
Gemächern. Sie öffnete die mit Edelsteinen verzierte Tür und durchschritt den
Besucherraum schnellen Schrittes. Der nächste Raum ist lichtdurchflutet, der
Wind bewegt leicht die Vorhänge durch die offenen Türen zum Balkon. Sie wandte
sich nach links zu einem kleinen säulenartigen Tisch über dem ein
smaragdgrün-leuchtender Stein schwebte. Wie lange hatte sie ihn nicht mehr
berüht, aber das musste sie jetzt ja auch nicht mehr. Denn ihre Kinder weilten
in ihrer Welt und nicht mehr in der anderen. Sie legte die Hände ganz sanft auf
den warmen Stein und schloss die Augen …