Jetzt möchte ich euch nicht länger auf die Folter spannen sondern zeige euch jetzt meine Kurzgeschichte:
Rismos Stunden vor der Versammlung
Rismo schloss seinen Brautmodenladen ab und machte sich auf
den Heimweg zu seinen zwei Töchtern. Er freute sich schon auf seine kleine
Wohnung. Nicht nur auf die Kinder. Er wollte auch aus seinem Gewand raus. Es
bestand aus einem beigen Rock mit Schlitz und einem eigens angefertigten
Bustier, dass ihn wie eine Koboldin aussehen lies. Sein Armreif wies ihn als
Witwe aus. Die umgenähten Trinkschläuche im Bustier stachen ihn nach langem
Tragen in die Brust. Auch das ewige Bimmeln der vielen kleinen vergoldeten
Talern, welche an den Rock genäht waren, fing nervig zu werden. Dies erinnerte
ihn abermals daran, noch weitere Taler, Edelsteine und teures Zwirn für einen
Auftrag zu besorgen. Deshalb durfte er es nicht vergessen. So in seinen
Gedanken vertieft bemerkte er kaum, was auf den Straßen von Kirr alles auf den
Beinen war. Sonst wäre ihm die Unruhe der anderen Kobolde sicher aufgefallen.
Er bog um eine Ecke, wich ein paar Transportechsen aus und
steuerte auf das Haus mit dem Schmetterlingsmosaik zu. In dieser Gegend wohnten
viele Schneider, Tuchmacher, ihre Lehrlinge und Familien. Je aufwändiger dabei
das Mosaik an einer Hauswand war, desto besser waren seine Bewohner in ihrem
Handwerk.
In seinem kleinen Beutel, der an einem Gürtel am Rock
befestigt war, kramte er nach seinem Schlüssel. Er erklomm die Stiege zu seiner
Wohnung und war versucht den Schlüssel ins Schloss zu stecken, als er bemerkte,
dass die Tür einen Spalt offen stand. Panik machte sich in ihm breit. Hatten
sie ihn entdeckt? War seine Tarnung aufgeflogen? Wo waren seine Töchter?
Langsam schob er die hölzerne Tür auf und versuchte kein Geräusch zu
hinterlassen. Den Schüssel steckte er wieder ein. Vielleicht war noch wer in
der Wohnung. Es gelang ihm nicht sich
anzuschleichen. Seine Füße verursachten auf dem kalten Steinboden zwar keinen
Ton, doch die kleinen Taler klingelten ganz sachte bei jedem Schritt. Kein
anderes Geräusch drang an seine Ohren. Waren seine Töchter vielleicht schon
Tod? Der Gedanke lies in erschaudern. Schlimmer wäre nur noch, wenn sie seine
beiden kleinen zu ihren Marionetten machen würden. Er schob sich langsam den Gang entlang. Links
in der Kochnische, herrschte pures Chaos, Töpfe, Pfannen, Schüsseln, alles lag
verstreut auf dem Boden, den Schränken und dem Tisch. Nun eigentlich war es
schon mehr als eine Niesche, da Rismo aber keinen eigenen Palast mit
Angestellten hatte, wurde es in den einfachen Häusern und Wohnung so genannt. Er bog nach der Nische links ab
und erspähte den schillernden Muschelvorhang, dessen Glasperlen kleine
Lichtspiele auf den weißgetünchten Wänden hinterließ. Hinter dem Vorhang befand
sich der Wohnraum. Der Kobold holte noch
einmal tief Luft bevor er weiter ging. Er streckte langsam den Arm aus und
öffnete den Vorhang mit einem Ruck. Die Muscheln klirrten und Rismo sprang in den
Raum hinein. Doch niemand war zu sehen. Auch in diesem Raum war alles
durchsucht worden. Die Kissen, mit der Goldstickerei, eben so wie die seidenen
Bezüge der Chaiselongues waren aufgeschlitzt worden, Krüge lagen zersplittert
auf dem Boden, die zwei geknüpften Teppiche lagen achtlos vor dem Durchgang zum
Balkon, …
Er schaute sich um und überlegte ob er noch die kleine
Wendeltreppe hoch zu den Schlafkammern empor steigen sollte. Da erblickte er
einen Brief auf den Stufen. Mit wenigen Schritten erreichte er diese und
erkannte das Siegel Giftfrösche. Sie waren also hier und haben ihn gefunden.
Seine Hände zitterten und er hatte Mühe den Brief hoch zu heben und zu öffnen.
Das Siegelwachs war noch weich als er es brach. Sie konnten noch nicht lange
fort sein.
Verheerte Witwe und
Meisterin der Schneiderkunst Leysane,
es betrübt uns sehr,
dass ihr Heim derart auffinden. Doch die Kinder, die ihr beherbergt und als die
euren angenommen habt, sind die Sprösslinge eines Hochverräters an seiner
kaiserlichen Hoheit. Daher hat unsere kaiserliche Hoheit veranlasst, die Kinder
ins unsere Obhut zu geben, damit sie ihrem Land dienen können. Aufgrund eurer
sonst tadellosen Stellung und eures engen Kontakts zu unserer Mutter Euris
werdet ihr nicht weiter wegen dieser Angelegenheit behelligt.
In Tiefer Demut
Die Schwestern der
blauen Giftfrösche
Er lies den Brief zu Boden gleiten. Seine Vermutung stimmte
also, dennoch war seine Tarnung nicht aufgeflogen. Wenigstens war sie ihm geblieben. Nur warum waren seine Kinder
aufgeflogen? Wo waren sie jetzt und hatten sie wirklich vor die beiden
auszubilden?
Ein Klopfen riss ihn aus seinen Gedanken. „ Meisterin
Leysane? Seid ihr zu Hause?“, dröhnte eine tiefe Stimme zu ihm in die Wohnung.
„Hier spricht Tempelritter Grigo.“ Rismo blieben noch ein paar Augenblicke eher
er antworten musste. Da Frauen einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft der
Kobolde genossen, würde der Tempelritter nicht ohne Erlaubnis einfach
eintreten. Er versuchte sich zu beruhigen und seine Stimme gelassener und vor
allem weiblich klingen zu lassen. „Gedulden sie sich einen Moment bitte, ich
kleide mich eben um.“, gab er zur Antwort. So hatte er ein wenig mehr Zeit sich
zu beruhigen. Beim Hochgehen der Treppe
bemerkte er, dass es auch nötig war. Vor lauter Anspannung und Angst war ihm
nicht bewusst gewesen wie sehr er geschwitzt hatte. Dies ziemte sich so gar nicht für eine Frau
in seinem Stand. Hier oben waren nur die Kinderzimmer verwüstet, sein Zimmer am
Ende des Ganges war nicht betreten worden. Welch ein Glück! Hätten sie die
Wasserschläuche, die ihm als Busenersatz dienten, gefunden wäre der ganze
Schwindel aufgeflogen. Er schob den Vorhang vor seinem Zimmer zur Seite. Dieser
war aus dünnen gelben und orangen Seidenbändern mit roten Stickereien gefertigt
worden. Am unteren Ende eines jeden Bandes befand sich eine kleine Glocke. Es
gab einen harmonischen Vielklang, sobald der Vorhang bewegt wurde. Er ging
geradewegs zu seinem doch rechtgeräumigen Kleiderschrank.
Was sollte er anziehen? Darin sollte er rennen, klettern
können und trotzdem als eine Frau von Ehre gelten. Voller Hoffnung durchsuchte
er seine Kleidung. Eigentlich war es ja die Kleidung seiner verstorbenen
Halbschwester Leysane, dessen Identität er angenommen hatte. Wie gut, dass bis auf eine Person keiner
eingeweiht war. Schließlich fand er eine graue Pluderhose, die wieder auffällig
bestickt war. Bei der genaueren Begutachtung fiel ihm auf, dass die Hose
mehrere Innentaschen besaß ihnen denen er Messer und kleine Giftampullen
verstecken konnte. Er lies seinen Rock von der Hüfte gleiten und schlüpfte
sofort in die Hose. Das passende Bustier dazu hatte er auch schnell parat.
Wieder würden ihn die Trinkschläuche stechen, aber das konnte er jetzt nicht
ändern. Die Sicherheit seiner Kinder gingen vor. Auch wenn er zunächst den
Ritter abwimmeln musste.
Nach dem er den Sitz der Kleidung überprüft hatte, ging er
zu der kleinen Truhe, die unter dem Bett versteckt war, öffnete das kleine
Vorhängeschloss, zog die Truhe hervor und klappte den Deckel auf. Wie üblich konnte er auf die gesamte
Giftfrosch-Ausrüstung seiner Schwester zugreifen. Das ein oder andere müsste er
mal wieder hinzufügen und den Vorrat aufstocken. Doch dies hatte noch etwas
Zeit. Diesmal begnügte er sich mit zwei
kleinen Dolchen und verstaute sie in der Hose. Anschließend räumte er die Truhe
wieder an ihren Platz und verschloss sie abermals.
Schnell huschte er wieder durch den Vorhang und die Treppen
runter, denn der Tempelritter sollte nicht misstrauisch werden. Kurz vor der
Eingangstür verlangsamte er seine Schritte und versuchte sich innerlich etwas Ruhe
zu finden. Dann öffnete er die Tür und erblickte den Ritter.
„Tempelritter …“, er konnte sich einfach nicht mehr an den
Namen erinnern und er kannte dieses Gesicht auch nicht. Die stahlblauen Augen
und auch der helle Grünton seiner Haut, wiesen ihn als Nordling aus. Lange
konnte er noch nicht in Kirr sein.
„Grigo, Tempelritter Grigo zu ihren Diensten Meisterin
Leysanne. Der oberste Tempeldiener
Manjed schickt mich.“
„Euer Besuch ehrt mich Tempelritter Grigo. Ihr seid neu
hier?“, seine Neugier konnte er nicht unterdrücken. In der Hoffnung etwas mehr
heraus zubekommen, posierte er leicht im Türrahmen. Auch wenn es den Männern
des Tempels verboten war mit einer Frau intim zu werden, waren es trotz allem
Männer.
„Meisterin ich konnte letzte Woche meine Prüfung zum
Tempelritter erfolgreich ablegen. Seid acht Jahren bin ich allerdings schon
hier in Kirr, wegen meiner Ausbildung.“ So wie Grigo ihn ansah hatte er ihn am
Harken. „Der oberste Tempeldiener lässt fragen, ob ihr etwas benötigt und
wünscht, dass ich euch begleite.“
„Da ihr es erwähnt,
ich bräuchte noch einige Kräuter und Mixturen für meine private Sammlung. Wohin
werdet ihr mich begleiten?“ So konnte er ohne viel Mühe seine Truhe auffüllen.
War er aufgeflogen oder nicht? Wenn ja
würden sie dann nicht mehr Ritter schicken?
„Zum Tempel Meisterin!“ Rismo erschrak. War er doch
aufgeflogen? Grigo war dies nicht entgangen und fügte hinzu: „Habt ihr es nicht
mitbekommen? Ein Elf, ein Zwerg und ein Oger sind in der Begleitung eines
Menschen hier in Kirr um den Kaiser zu sprechen. Deswegen wurde eine
Versammlung Einberufen.“
„Ein Mensch?“ Hörte er da gerade richtig? Die waren seid Morkidswandel keinem der
anderen Völker je begegnet. Was dies wohl bedeuten möchte? Nun da blieb ihm
nichts anderes übrig als mitzugehen, auch wenn er lieber nach seinen Kindern
suchen würde. Vielleicht konnte er dies auch verbinden. Es würden sicher einige
seiner Kontakte auch dort sein und so konnte er sich ohne viel Mühe unauffällig
mit ihnen treffen.
„Ja Meisterin. Wenn ihr nichts dagegen habt, sollten wir
jetzt aufbrechen.“
„Nein wir können gehen.“
Grigo ging voran und Rismo folgte ihm durch das Labyrinth an
Straßen. Kirrs Straßen waren verschachtelt, bogen schnell nach recht oder links
ab oder endeten Abrupt vor einem Gebäude. Ideal für Diebe und Mörder. Was
sollte man auch anderes erwarten von Karashs Kindern, dem Gott der Diebe.
Sie mussten nur ins Zentrum des Labyrinths gelangen, denn
dort befand sich der Tempel mit dem Versammlungsplatz. Rismo dauerte es diesmal
viel zu lange. Angespannt wie er war, sah er mit Jeder Minute die verstrich
seine Kinder sterben. Er konnte nicht
genau sagen welchen Weg Grigo einschlug, er vermutete aber, dass er in den
Bereich der Ehrengäste gebracht wurde. Denn sie waren nicht auf dem direkten
Weg zum Tempelplatz. Sie würden östlich des Tempels aus den Straßen kommen und
nicht wie er sonst südlich.
Auch wenn sich seine Ganken um seine Kinder drehten, kam er
immer wieder darauf zurück, wie ein Mensch hier in diese Welt gelangt ist. Wahrscheinlich gab sich einfach nur ein Elf
als Mensch aus und machte sich mal wieder über die anderen Völker lustig oder
es wurde einer ohne spitze Ohren geboren. Bei diesem Gedanken musste er
schmunzeln. Das würde er diesem arroganten Pack nur zu gerne wünschen. Nur was
wollten sie ausgerechnet hier in Kirr? Ja es war die Hauptstadt, aber was
wollten sie von uns Kobolden?
Er kam einfach nicht weiter. Deswegen war er froh, dass er
nun am Tempel angekommen war. Die gesamte Tempelanlage war rautenförmig
angelegt. Vom Mittelpunkt ging die
südliche spitze des Tempels weg, der ebenfalls eine Raute war. Oberhalb der Mittellinie des Tempels befand
sich der Garten mit seinen hohen Mauern, unterhalb der gesamte Tempelplatz mit
seinen Marmorplatten. Dazwischen gab es
Kupferrinnen, die die Wege markierten, Statuen der Heiligen mit ihrem
goldenen Schein und aus allem ragte der pompöse Tempel heraus mit all seinen
Verzierungen. Die vergoldeten Statuen, die mit Edelsteinen besetzten Zepter,
die Buntglasfenster und nicht zu vergessen das vergoldete Dach.
Rismo konnte sich jedes Mal übergeben wenn er diesen Prunk
sah. Denn er musste an die große Armut des gemeinen Volkes denken. Grigo ries
ihn wieder aus seinen Gedanken, als er ihm seinen Platz zuwies. Er stellte
fest, dass er sich bei den Würdeträgerinnen der Giftfrösche und vieler anderer
Damen von gutem Hause befand. Der
einzige Platz der noch frei war, war der neben Mutter Euris, der Führerin der
blauen Giftfrösche. Es konnte richtig
eng für ihn werden. Er hoffte, dass seine Maskerade nicht aufflog. Denn Euris
und Leysane standen sich vor ihrem Tod recht nahe. Er setzte sich hin, nickte
Euris kurz zu und wartete auf ihre Reaktion. Nachdem sie das Nicken erwidert
hatte, richtete er seinen Blick auf das kleine Podest vor der Tempeltür uns
setzte sich dabei auf seinen Platz. Auf
dem Podest befanden sich fünf Tempelritter, drei am hinteren Ende und je einer
an den beiden Seiten, und zwei Tempeldiener, die nach ihrem Gewand zu urteilen
direkt dem hohen Tempeldiener Manjed unterstellt waren. Kurz darauf öffneten
sich die beiden Flügel der Tempeltür. Normal waren die Gebäude der Kobolde an
ihre eigene Größe angepasst. Doch es gab
auch Ausnahmen, wie die Tempel, Wirtshäuser und andere wichtige Gebäude in
denen auch die anderen Völker etwas zu erledigen hatten.
Zuerst trat Manjed aus dem Tempel heraus und ging zum Podest.
Er Trug wie üblich die weiße Robe mit eingearbeiteten Goldstickereien und
Rubinen. Dies lies selbst seine schon
fast ergraute Haut noch edel wirken. Nach ihm schritt ein Elf durch die Pforte.
Hoch aufgerichtet, fast tänzelnd folgte er dem hohen Tempeldiener . Er trug
komplett schwarze Kleidung von den Stiefeln bis zum Mantel. Dies verwunderte
Rismo, denn normal war dies nicht die Farbe der Elfen. Auch das er
augenscheinlich bewaffnet bis an die Zähne war und so hinter Manjed hergehen
durfte, verwunderte ihn. Dann fielen ihm die Tätowierungen im Gesicht des Elfen
auf. Es musste ein Eiself sein, diese waren schon immer etwas verschroben.
Hinter ihm stampfte ein wandelndes Fellknäuel. Dies musste der Oger sein. Er
hatte ockerfarbenes, recht langes Fell und einen braunen Lendenschurz aus
einfachem Leder mit einem Waffengürtel. Auch der Oger war ziemlich arg
bewaffnet. Ob der Oger männlich oder
weiblich war konnte er nicht sagen, das konnte man nur schwer erkennen.
Hinter dem Oger betrat ein Zwerg das Podest. Er war hinter
dem riesigen Oger kaum aufgefallen und
stach nun mit seinen roten Hosen und dem passenden Mantel heraus. Er war klein
und stämmig, sah aber mit den blonden lockigen Haaren gar nicht so gefährlich
aus. Wären da nicht seine Axt und sein
grimmiger Gesichtsausdruck gewesen. Alle
sahen so aus als würden sie einen Angriff erwarten.
Etwas zögerlich trat dann eine junge Frau mit feuerroten
Locken aus dem Tempel. Sie blickte sich
um und ihr war es scheinbar gar nicht so geheuer vor so vielen Leuten zu
stehen. Sie trug braune Hosen, ein weißes Hemd und darüber einen Mantel aus
Leder. Doch war dies alles anders gefertigt als Rismo es kannte. Zwar konnte er
es nicht im Detail sehen, aber kein Schneider in ganz Verladosz fertigte so seine
Entwürfe. Sie musste der Mensch sein, dachte sich Rismo. Sie war zwar feingliedrig,
aber nicht so edel wie die Elfen. Wie
konnte dies sein?
Kaum ein Kobold sagte etwas sondern sah staunend auf das
seltsame Quartett vor ihnen.
„Bewohner von Kirr.“ Manjed erhob seine Stimme. „Diese Gefährten
hier sind auf der Reise zur Insel der Götter.“ Bei diesen Worten ging ein
Raunen durch die Menge. Rismo schüttelte den Kopf. Zu der Insel war noch keiner
gekommen oder besser gesagt es kam keiner zurück der es je versucht hatte.
„Wie es die alte Weissagung überliefert bedarf es einen
Vertreter jeden Volkes um die Götter zu sprechen. Elf, Zwerg, Kentauer, Oger,
Kobold, Troll und Mensch müssen sich als würdig erweisen um das Land der Götter
betreten zu können.“
Ja, dachte Rismo, das war vor Morkidswandel. Als die Götter
in dieser Welt noch alleine lebten. Er konnte nicht fassen was diese scheinbar
Verrückten vorhatten. Er hatte genug gehört und wollte überlegen wie er seine
Töchter befreien konnte. Er musste zuerst einmal herausfinden, wo sie versteckt
worden waren und was genau die Giftfrösche mit ihnen anstellen wollten. Dann vermochter
er einen Plan zu schmieden, wie er sie befreien und anschließend dann verstecken
konnte.
Er bekam er zwar mit, dass die Menschenfrau redete, nur was
sie genau erzählte hörte er nicht. Sie musste ein Mensch sein, denn er erkannte
ihre Aussprache der gemeinen Sprache..
Er wurde erst aus seinen Gedanken gerissen als er seinen
Namen vernahm.
„Ich sage es noch einmal.“, sagte Manjed. „Rismo Meisterdieb
kann seine Vergehen gegen die Krone damit büßen, dass er sich dieser Gruppe
hier anschließt. Seine Töchter werden freigelassen und werden nicht mehr belangt
wegen seiner Vergehen! Dies wird im allerdings nur gewährt, wenn er sich
innerhalb der nächsten sieben Tage dazu bereit erklärt.“
Er musste träumen, das konnte doch nicht wahr sein. Und
warum vergab Manjed ihm seine Schuld und nicht der Kaiser höchstpersönlich? Da
war noch etwas anderes faul an der Sache, außer dem ganzen Mist der Reise zur Insel der
Götter.
Langsam aber zögernd stand er auf und hob seine rechte Hand empor. Dies war das
Zeichen, dass er etwas mitzuteilen hatte. Einer der Tempeldiener bemerkte dies
und wies Manjed darauf hin.
„Ah verheerte Witwe und Meisterin der Schneiderkunst Leysane. Ich weiß, dass diese Kinder euch ans
Herz gewachsen sind. Was möchtet ihr dazu sagen?“, fragte Manjed ihn.
„Hoher Tempeldiener Manjed, erste Hand von Karesh, mir liegt
die Sicherheit der Mädchen sehr am Herzen. Wie ihr sicher verstehen könnt,
möchte ich erfahren wie genau man mit den beiden verfährt falls sich ihr Vater
auf diese Reise begibt.“ Er hoffte, dass
man das Zittern seiner Stimme nicht zu sehr rausgehört hatte.
„Da könnt ihr ganz unbesorgt sein! Sie können wieder in eure
Obhut oder in die ihrer Tanten und Onkel. Ich versichere euch, ihnen wird
nichts geschehen. Dies ist im Übrigen eine Anordnung des Kaisers
höchstpersönlich. Den ich wegen einer Unpässlichkeit heute vertrete.“,
beschwichtigte Manjed ihn.
Wenn das so ist, dann musste der Kaiser schwer erkrankt sein
oder die Gefahr öffentlich hingerichtet zu werden war zu groß. Das Angebot allerdings war sehr verlockend.
Sollte er es denn wirklich annehmen und sich auf diese tödliche Reise begeben?
Nun schwieg er. Er konnte seine Töchter retten und sie würden
eine Zukunft fernab der Giftfrösche haben, falls sie nicht von ihren Verwandten
verschachert wurden. Er ging zwar nicht davon aus, dass er diese Mission
überleben würde, aber seine Töchter hatten die Chance auf ein Leben ohne
Furcht.
Manjed schaute ihn leicht entgeistert an. Der Etikette wegen
hätte er schon längst etwas sagen oder
wieder an seinem Platz sitzen sollen. Kurz zögerte er ob er Letzteres nicht tun
sollte. Stattdessen glitten seine Hände über seinen Rücken, genau zu der
Öffnung seines Bustiers. Er würde sich jetzt stellen und dem Ganzen hier ein
Ende setzten. Langsam glitt sein Bustier herunter. Entsetzten zeigte sich auf
den Gesichtern der anderen. Zum einen hatten sie keinen Mann erwartet und zum
anderen schon gar nicht ihn.
„So soll es sein!“, sagte er jetzt allerdings mit seiner
normalen Stimme. „Ich trete diese Reise an, auch wenn es mich mein Leben
kostet.“