17.1.14

Schreibübungen #1.2

Genau heute endet die Frist die ich mir selber für meine erste Schreibübung gesetzt habe. Mit der Zeit bin ich super ausgekommen und es hat wirklich Spaß gemacht.
Jetzt möchte ich euch nicht länger auf die Folter spannen sondern zeige euch jetzt meine Kurzgeschichte:

Rismos Stunden vor der Versammlung


Rismo schloss seinen Brautmodenladen ab und machte sich auf den Heimweg zu seinen zwei Töchtern. Er freute sich schon auf seine kleine Wohnung. Nicht nur auf die Kinder. Er wollte auch aus seinem Gewand raus. Es bestand aus einem beigen Rock mit Schlitz und einem eigens angefertigten Bustier, dass ihn wie eine Koboldin aussehen lies. Sein Armreif wies ihn als Witwe aus. Die umgenähten Trinkschläuche im Bustier stachen ihn nach langem Tragen in die Brust. Auch das ewige Bimmeln der vielen kleinen vergoldeten Talern, welche an den Rock genäht waren, fing nervig zu werden. Dies erinnerte ihn abermals daran, noch weitere Taler, Edelsteine und teures Zwirn für einen Auftrag zu besorgen. Deshalb durfte er es nicht vergessen. So in seinen Gedanken vertieft bemerkte er kaum, was auf den Straßen von Kirr alles auf den Beinen war. Sonst wäre ihm die Unruhe der anderen Kobolde sicher aufgefallen.
Er bog um eine Ecke, wich ein paar Transportechsen aus und steuerte auf das Haus mit dem Schmetterlingsmosaik zu. In dieser Gegend wohnten viele Schneider, Tuchmacher, ihre Lehrlinge und Familien. Je aufwändiger dabei das Mosaik an einer Hauswand war, desto besser waren seine Bewohner in ihrem Handwerk.


In seinem kleinen Beutel, der an einem Gürtel am Rock befestigt war, kramte er nach seinem Schlüssel. Er erklomm die Stiege zu seiner Wohnung und war versucht den Schlüssel ins Schloss zu stecken, als er bemerkte, dass die Tür einen Spalt offen stand. Panik machte sich in ihm breit. Hatten sie ihn entdeckt? War seine Tarnung aufgeflogen? Wo waren seine Töchter? Langsam schob er die hölzerne Tür auf und versuchte kein Geräusch zu hinterlassen. Den Schüssel steckte er wieder ein. Vielleicht war noch wer in der Wohnung.  Es gelang ihm nicht sich anzuschleichen. Seine Füße verursachten auf dem kalten Steinboden zwar keinen Ton, doch die kleinen Taler klingelten ganz sachte bei jedem Schritt. Kein anderes Geräusch drang an seine Ohren. Waren seine Töchter vielleicht schon Tod? Der Gedanke lies in erschaudern. Schlimmer wäre nur noch, wenn sie seine beiden kleinen zu ihren Marionetten machen würden.  Er schob sich langsam den Gang entlang. Links in der Kochnische, herrschte pures Chaos, Töpfe, Pfannen, Schüsseln, alles lag verstreut auf dem Boden, den Schränken und dem Tisch. Nun eigentlich war es schon mehr als eine Niesche, da Rismo aber keinen eigenen Palast mit Angestellten hatte, wurde es in den einfachen Häusern und Wohnung  so genannt. Er bog nach der Nische links ab und erspähte den schillernden Muschelvorhang, dessen Glasperlen kleine Lichtspiele auf den weißgetünchten Wänden hinterließ. Hinter dem Vorhang befand sich der Wohnraum.  Der Kobold holte noch einmal tief Luft bevor er weiter ging. Er streckte langsam den Arm aus und öffnete den Vorhang mit einem Ruck. Die Muscheln klirrten und Rismo sprang in den Raum hinein. Doch niemand war zu sehen. Auch in diesem Raum war alles durchsucht worden. Die Kissen, mit der Goldstickerei, eben so wie die seidenen Bezüge der Chaiselongues waren aufgeschlitzt worden, Krüge lagen zersplittert auf dem Boden, die zwei geknüpften Teppiche lagen achtlos vor dem Durchgang zum Balkon, …
Er schaute sich um und überlegte ob er noch die kleine Wendeltreppe hoch zu den Schlafkammern empor steigen sollte. Da erblickte er einen Brief auf den Stufen. Mit wenigen Schritten erreichte er diese und erkannte das Siegel Giftfrösche. Sie waren also hier und haben ihn gefunden. Seine Hände zitterten und er hatte Mühe den Brief hoch zu heben und zu öffnen. Das Siegelwachs war noch weich als er es brach. Sie konnten noch nicht lange fort sein.

Verheerte Witwe und Meisterin der Schneiderkunst Leysane,
es betrübt uns sehr, dass ihr Heim derart auffinden. Doch die Kinder, die ihr beherbergt und als die euren angenommen habt, sind die Sprösslinge eines Hochverräters an seiner kaiserlichen Hoheit. Daher hat unsere kaiserliche Hoheit veranlasst, die Kinder ins unsere Obhut zu geben, damit sie ihrem Land dienen können. Aufgrund eurer sonst tadellosen Stellung und eures engen Kontakts zu unserer Mutter Euris werdet ihr nicht weiter wegen dieser Angelegenheit behelligt.
In Tiefer Demut
Die Schwestern der blauen Giftfrösche

Er lies den Brief zu Boden gleiten. Seine Vermutung stimmte also, dennoch war seine Tarnung nicht aufgeflogen. Wenigstens war sie  ihm geblieben. Nur warum waren seine Kinder aufgeflogen? Wo waren sie jetzt und hatten sie wirklich vor die beiden auszubilden?
Ein Klopfen riss ihn aus seinen Gedanken. „ Meisterin Leysane? Seid ihr zu Hause?“, dröhnte eine tiefe Stimme zu ihm in die Wohnung. „Hier spricht Tempelritter Grigo.“ Rismo blieben noch ein paar Augenblicke eher er antworten musste. Da Frauen einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft der Kobolde genossen, würde der Tempelritter nicht ohne Erlaubnis einfach eintreten. Er versuchte sich zu beruhigen und seine Stimme gelassener und vor allem weiblich klingen zu lassen. „Gedulden sie sich einen Moment bitte, ich kleide mich eben um.“, gab er zur Antwort. So hatte er ein wenig mehr Zeit sich zu beruhigen.  Beim Hochgehen der Treppe bemerkte er, dass es auch nötig war. Vor lauter Anspannung und Angst war ihm nicht bewusst gewesen wie sehr er geschwitzt hatte.  Dies ziemte sich so gar nicht für eine Frau in seinem Stand. Hier oben waren nur die Kinderzimmer verwüstet, sein Zimmer am Ende des Ganges war nicht betreten worden. Welch ein Glück! Hätten sie die Wasserschläuche, die ihm als Busenersatz dienten, gefunden wäre der ganze Schwindel aufgeflogen. Er schob den Vorhang vor seinem Zimmer zur Seite. Dieser war aus dünnen gelben und orangen Seidenbändern mit roten Stickereien gefertigt worden. Am unteren Ende eines jeden Bandes befand sich eine kleine Glocke. Es gab einen harmonischen Vielklang, sobald der Vorhang bewegt wurde. Er ging geradewegs zu seinem doch rechtgeräumigen Kleiderschrank.
Was sollte er anziehen? Darin sollte er rennen, klettern können und trotzdem als eine Frau von Ehre gelten. Voller Hoffnung durchsuchte er seine Kleidung. Eigentlich war es ja die Kleidung seiner verstorbenen Halbschwester Leysane, dessen Identität er angenommen hatte.  Wie gut, dass bis auf eine Person keiner eingeweiht war. Schließlich fand er eine graue Pluderhose, die wieder auffällig bestickt war. Bei der genaueren Begutachtung fiel ihm auf, dass die Hose mehrere Innentaschen besaß ihnen denen er Messer und kleine Giftampullen verstecken konnte. Er lies seinen Rock von der Hüfte gleiten und schlüpfte sofort in die Hose. Das passende Bustier dazu hatte er auch schnell parat. Wieder würden ihn die Trinkschläuche stechen, aber das konnte er jetzt nicht ändern. Die Sicherheit seiner Kinder gingen vor. Auch wenn er zunächst den Ritter abwimmeln musste.
Nach dem er den Sitz der Kleidung überprüft hatte, ging er zu der kleinen Truhe, die unter dem Bett versteckt war, öffnete das kleine Vorhängeschloss, zog die Truhe hervor und klappte den Deckel auf.  Wie üblich konnte er auf die gesamte Giftfrosch-Ausrüstung seiner Schwester zugreifen. Das ein oder andere müsste er mal wieder hinzufügen und den Vorrat aufstocken. Doch dies hatte noch etwas Zeit.  Diesmal begnügte er sich mit zwei kleinen Dolchen und verstaute sie in der Hose. Anschließend räumte er die Truhe wieder an ihren Platz und verschloss sie abermals.
Schnell huschte er wieder durch den Vorhang und die Treppen runter, denn der Tempelritter sollte nicht misstrauisch werden. Kurz vor der Eingangstür verlangsamte er seine Schritte und versuchte sich innerlich etwas Ruhe zu finden. Dann öffnete er die Tür und erblickte den Ritter.
„Tempelritter …“, er konnte sich einfach nicht mehr an den Namen erinnern und er kannte dieses Gesicht auch nicht. Die stahlblauen Augen und auch der helle Grünton seiner Haut, wiesen ihn als Nordling aus. Lange konnte er noch nicht in Kirr sein.
„Grigo, Tempelritter Grigo zu ihren Diensten Meisterin Leysanne.  Der oberste Tempeldiener Manjed schickt mich.“
„Euer Besuch ehrt mich Tempelritter Grigo. Ihr seid neu hier?“, seine Neugier konnte er nicht unterdrücken. In der Hoffnung etwas mehr heraus zubekommen, posierte er leicht im Türrahmen. Auch wenn es den Männern des Tempels verboten war mit einer Frau intim zu werden, waren es trotz allem Männer.
„Meisterin ich konnte letzte Woche meine Prüfung zum Tempelritter erfolgreich ablegen. Seid acht Jahren bin ich allerdings schon hier in Kirr, wegen meiner Ausbildung.“ So wie Grigo ihn ansah hatte er ihn am Harken. „Der oberste Tempeldiener lässt fragen, ob ihr etwas benötigt und wünscht, dass ich euch begleite.“
 „Da ihr es erwähnt, ich bräuchte noch einige Kräuter und Mixturen für meine private Sammlung. Wohin werdet ihr mich begleiten?“ So konnte er ohne viel Mühe seine Truhe auffüllen. War er aufgeflogen oder nicht?  Wenn ja würden sie dann nicht mehr Ritter schicken?
„Zum Tempel Meisterin!“ Rismo erschrak. War er doch aufgeflogen? Grigo war dies nicht entgangen und fügte hinzu: „Habt ihr es nicht mitbekommen? Ein Elf, ein Zwerg und ein Oger sind in der Begleitung eines Menschen hier in Kirr um den Kaiser zu sprechen. Deswegen wurde eine Versammlung Einberufen.“
„Ein Mensch?“ Hörte er da gerade richtig?  Die waren seid Morkidswandel keinem der anderen Völker je begegnet. Was dies wohl bedeuten möchte? Nun da blieb ihm nichts anderes übrig als mitzugehen, auch wenn er lieber nach seinen Kindern suchen würde. Vielleicht konnte er dies auch verbinden. Es würden sicher einige seiner Kontakte auch dort sein und so konnte er sich ohne viel Mühe unauffällig mit ihnen treffen.
„Ja Meisterin. Wenn ihr nichts dagegen habt, sollten wir jetzt aufbrechen.“
„Nein wir können gehen.“
Grigo ging voran und Rismo folgte ihm durch das Labyrinth an Straßen. Kirrs Straßen waren verschachtelt, bogen schnell nach recht oder links ab oder endeten Abrupt vor einem Gebäude. Ideal für Diebe und Mörder. Was sollte man auch anderes erwarten von Karashs Kindern, dem Gott der Diebe.
Sie mussten nur ins Zentrum des Labyrinths gelangen, denn dort befand sich der Tempel mit dem Versammlungsplatz. Rismo dauerte es diesmal viel zu lange. Angespannt wie er war, sah er mit Jeder Minute die verstrich seine Kinder sterben.  Er konnte nicht genau sagen welchen Weg Grigo einschlug, er vermutete aber, dass er in den Bereich der Ehrengäste gebracht wurde. Denn sie waren nicht auf dem direkten Weg zum Tempelplatz. Sie würden östlich des Tempels aus den Straßen kommen und nicht wie er sonst südlich.
Auch wenn sich seine Ganken um seine Kinder drehten, kam er immer wieder darauf zurück, wie ein Mensch hier in diese Welt gelangt ist.  Wahrscheinlich gab sich einfach nur ein Elf als Mensch aus und machte sich mal wieder über die anderen Völker lustig oder es wurde einer ohne spitze Ohren geboren. Bei diesem Gedanken musste er schmunzeln. Das würde er diesem arroganten Pack nur zu gerne wünschen. Nur was wollten sie ausgerechnet hier in Kirr? Ja es war die Hauptstadt, aber was wollten sie von uns Kobolden?
Er kam einfach nicht weiter. Deswegen war er froh, dass er nun am Tempel angekommen war. Die gesamte Tempelanlage war rautenförmig angelegt.  Vom Mittelpunkt ging die südliche spitze des Tempels weg, der ebenfalls eine Raute war.  Oberhalb der Mittellinie des Tempels befand sich der Garten mit seinen hohen Mauern, unterhalb der gesamte Tempelplatz mit seinen Marmorplatten. Dazwischen gab es  Kupferrinnen, die die Wege markierten, Statuen der Heiligen mit ihrem goldenen Schein und aus allem ragte der pompöse Tempel heraus mit all seinen Verzierungen. Die vergoldeten Statuen, die mit Edelsteinen besetzten Zepter, die Buntglasfenster und nicht zu vergessen das vergoldete Dach.
Rismo konnte sich jedes Mal übergeben wenn er diesen Prunk sah. Denn er musste an die große Armut des gemeinen Volkes denken. Grigo ries ihn wieder aus seinen Gedanken, als er ihm seinen Platz zuwies. Er stellte fest, dass er sich bei den Würdeträgerinnen der Giftfrösche und vieler anderer Damen von gutem Hause befand.  Der einzige Platz der noch frei war, war der neben Mutter Euris, der Führerin der blauen Giftfrösche.  Es konnte richtig eng für ihn werden. Er hoffte, dass seine Maskerade nicht aufflog. Denn Euris und Leysane standen sich vor ihrem Tod recht nahe. Er setzte sich hin, nickte Euris kurz zu und wartete auf ihre Reaktion. Nachdem sie das Nicken erwidert hatte, richtete er seinen Blick auf das kleine Podest vor der Tempeltür uns setzte sich dabei auf seinen Platz.  Auf dem Podest befanden sich fünf Tempelritter, drei am hinteren Ende und je einer an den beiden Seiten, und zwei Tempeldiener, die nach ihrem Gewand zu urteilen direkt dem hohen Tempeldiener Manjed unterstellt waren. Kurz darauf öffneten sich die beiden Flügel der Tempeltür. Normal waren die Gebäude der Kobolde an ihre eigene Größe angepasst.  Doch es gab auch Ausnahmen, wie die Tempel, Wirtshäuser und andere wichtige Gebäude in denen auch die anderen Völker etwas zu erledigen hatten.
Zuerst trat Manjed aus dem Tempel heraus und ging zum Podest. Er Trug wie üblich die weiße Robe mit eingearbeiteten Goldstickereien und Rubinen.  Dies lies selbst seine schon fast ergraute Haut noch edel wirken. Nach ihm schritt ein Elf durch die Pforte. Hoch aufgerichtet, fast tänzelnd folgte er dem hohen Tempeldiener . Er trug komplett schwarze Kleidung von den Stiefeln bis zum Mantel. Dies verwunderte Rismo, denn normal war dies nicht die Farbe der Elfen. Auch das er augenscheinlich bewaffnet bis an die Zähne war und so hinter Manjed hergehen durfte, verwunderte ihn. Dann fielen ihm die Tätowierungen im Gesicht des Elfen auf. Es musste ein Eiself sein, diese waren schon immer etwas verschroben. Hinter ihm stampfte ein wandelndes Fellknäuel. Dies musste der Oger sein. Er hatte ockerfarbenes, recht langes Fell und einen braunen Lendenschurz aus einfachem Leder mit einem Waffengürtel. Auch der Oger war ziemlich arg bewaffnet.  Ob der Oger männlich oder weiblich war konnte er nicht sagen, das konnte man nur schwer erkennen.
Hinter dem Oger betrat ein Zwerg das Podest. Er war hinter dem  riesigen Oger kaum aufgefallen und stach nun mit seinen roten Hosen und dem passenden Mantel heraus. Er war klein und stämmig, sah aber mit den blonden lockigen Haaren gar nicht so gefährlich aus.  Wären da nicht seine Axt und sein grimmiger Gesichtsausdruck gewesen.  Alle sahen so aus als würden sie einen Angriff erwarten.
Etwas zögerlich trat dann eine junge Frau mit feuerroten Locken aus dem Tempel.  Sie blickte sich um und ihr war es scheinbar gar nicht so geheuer vor so vielen Leuten zu stehen. Sie trug braune Hosen, ein weißes Hemd und darüber einen Mantel aus Leder. Doch war dies alles anders gefertigt als Rismo es kannte. Zwar konnte er es nicht im Detail sehen, aber kein Schneider in ganz Verladosz fertigte so seine Entwürfe. Sie musste der Mensch sein, dachte sich Rismo. Sie war zwar feingliedrig, aber nicht so edel wie die Elfen.  Wie konnte dies sein?
Kaum ein Kobold sagte etwas sondern sah staunend auf das seltsame Quartett vor ihnen.
„Bewohner von Kirr.“ Manjed erhob seine Stimme. „Diese Gefährten hier sind auf der Reise zur Insel der Götter.“ Bei diesen Worten ging ein Raunen durch die Menge. Rismo schüttelte den Kopf. Zu der Insel war noch keiner gekommen oder besser gesagt es kam keiner zurück der es je versucht hatte.
„Wie es die alte Weissagung überliefert bedarf es einen Vertreter jeden Volkes um die Götter zu sprechen. Elf, Zwerg, Kentauer, Oger, Kobold, Troll und Mensch müssen sich als würdig erweisen um das Land der Götter betreten zu können.“
Ja, dachte Rismo, das war vor Morkidswandel. Als die Götter in dieser Welt noch alleine lebten. Er konnte nicht fassen was diese scheinbar Verrückten vorhatten. Er hatte genug gehört und wollte überlegen wie er seine Töchter befreien konnte. Er musste zuerst einmal herausfinden, wo sie versteckt worden waren und was genau die Giftfrösche mit ihnen anstellen wollten. Dann vermochter er einen Plan zu schmieden, wie er sie befreien und anschließend dann verstecken konnte.
Er bekam er zwar mit, dass die Menschenfrau redete, nur was sie genau erzählte hörte er nicht. Sie musste ein Mensch sein, denn er erkannte ihre Aussprache der gemeinen Sprache..
Er wurde erst aus seinen Gedanken gerissen als er seinen Namen vernahm.
„Ich sage es noch einmal.“, sagte Manjed. „Rismo Meisterdieb kann seine Vergehen gegen die Krone damit büßen, dass er sich dieser Gruppe hier anschließt. Seine Töchter werden freigelassen und werden nicht mehr belangt wegen seiner Vergehen! Dies wird im allerdings nur gewährt, wenn er sich innerhalb der nächsten sieben Tage dazu bereit erklärt.“
Er musste träumen, das konnte doch nicht wahr sein. Und warum vergab Manjed ihm seine Schuld und nicht der Kaiser höchstpersönlich? Da war noch etwas anderes faul an der Sache,  außer dem ganzen Mist der Reise zur Insel der Götter.
Langsam aber zögernd stand er auf  und hob seine rechte Hand empor. Dies war das Zeichen, dass er etwas mitzuteilen hatte. Einer der Tempeldiener bemerkte dies und wies Manjed darauf hin.
„Ah verheerte Witwe und Meisterin der Schneiderkunst Leysane. Ich weiß, dass diese Kinder euch ans Herz gewachsen sind. Was möchtet ihr dazu sagen?“, fragte Manjed ihn.
„Hoher Tempeldiener Manjed, erste Hand von Karesh, mir liegt die Sicherheit der Mädchen sehr am Herzen. Wie ihr sicher verstehen könnt, möchte ich erfahren wie genau man mit den beiden verfährt falls sich ihr Vater auf diese Reise begibt.“ Er hoffte, dass  man das Zittern seiner Stimme nicht zu sehr rausgehört hatte.
„Da könnt ihr ganz unbesorgt sein! Sie können wieder in eure Obhut oder in die ihrer Tanten und Onkel. Ich versichere euch, ihnen wird nichts geschehen. Dies ist im Übrigen eine Anordnung des Kaisers höchstpersönlich. Den ich wegen einer Unpässlichkeit heute vertrete.“, beschwichtigte Manjed ihn.
Wenn das so ist, dann musste der Kaiser schwer erkrankt sein oder die Gefahr öffentlich hingerichtet zu werden war zu groß.  Das Angebot allerdings war sehr verlockend. Sollte er es denn wirklich annehmen und sich auf diese tödliche Reise begeben?
Nun schwieg er. Er konnte seine Töchter retten und sie würden eine Zukunft fernab der Giftfrösche haben, falls sie nicht von ihren Verwandten verschachert wurden. Er ging zwar nicht davon aus, dass er diese Mission überleben würde, aber seine Töchter hatten die Chance auf ein Leben ohne Furcht.
Manjed schaute ihn leicht entgeistert an. Der Etikette wegen hätte er schon längst etwas sagen  oder wieder an seinem Platz sitzen sollen. Kurz zögerte er ob er Letzteres nicht tun sollte. Stattdessen glitten seine Hände über seinen Rücken, genau zu der Öffnung seines Bustiers. Er würde sich jetzt stellen und dem Ganzen hier ein Ende setzten. Langsam glitt sein Bustier herunter. Entsetzten zeigte sich auf den Gesichtern der anderen. Zum einen hatten sie keinen Mann erwartet und zum anderen schon gar nicht ihn.
„So soll es sein!“, sagte er jetzt allerdings mit seiner normalen Stimme. „Ich trete diese Reise an, auch wenn es mich mein Leben kostet.“


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